Die Schulter des Riesen (Raffael Rauhenberg)

newSDR.jpgKlappentext

Gregor Bach empfindet nur Verachtung für jene, die es im Leben nicht geschafft haben. Als er in seiner Wohnung eine verwahrloste junge Frau antrifft, die sich das Vertrauen der Kinder erschlichen hat, reagiert er gewalttätig und löst damit eine Kettenreaktion aus, der er nichts entgegenzusetzen hat: unaufhaltsam frisst sich von diesem Tag an ein zerstörerisches Feuer in seine Beziehungen und seine materielle Existenz. Zuletzt findet sich Gregor in den Kellergewölben der Wohlstandsgesellschaft wieder, wo er bald in ein bedrohliches Geflecht von undurchsichtigen Beziehungen und persönlichen Geheimnissen verwickelt wird. Er trifft eine radikale Entscheidung, um der Situation zu entkommen …

»Die Schulter des Riesen« ist ein spannender Roman aus dem Deutschland der Gegenwart, der mit einem schonungslosen Gesellschaftsportrait beginnt, um schließlich mit ungewöhnlichen Einsichten in die menschliche Natur und das Wesen des Glücks zu überraschen.

Die Erwartungen

Das erste was ich erwähnen möchte, ist die raffinierte Sprache, mit der Rauhenberg Gregors Geschichte erzählt. Er zaubert herrliche Analogien und weiss, wann er sie einzusetzen hat. Er schafft es beeindruckende Wortgemälde zu kreieren, ohne sich in seitenlangen Szenenbeschrieben zu verirren, die den Lesefluss stören würden. Der Anfang des Buches zeigt Gregor am Rande einer Klippe und bereit zum Selbstmord, nur ein paar Seiten entfernt von Gregor der (einige Monate früher) glücklich und wild mit seinen Kindern im Wald spielt. Das ist ein vielversprechender Einstieg und weckte bei mir zweifellos das Bedürfnis «das Dazwischen» zu füllen. Gleichzeitig hatte ich Angst vor einem passiven Protagonisten, der einfach von den Umständen niedergeknüppelt wird und sich wehrlos ergibt – diese Klippe hat Rauhenberg aber geschickt umschifft. Meine Erwartungen wurden erfüllt und übertroffen.

Die Meinung

Die Schulter des Riesen zeigt einen Teil unserer Welt, dem viele von uns instinktiv mit gerümpfter Nase aus dem Weg gehen; das Leben jener Menschen, die wir gerne mit abschätzigem Blick und wegwischender Handbewegung als «Unterschicht» jeglicher Relevanz berauben. Die Schritte, die Gregor von seinem stabilen Leben zum Rand der Klippe führen, sind erschreckend nachvollziehbar, auch wenn einige Stellen möglicherweise ab und zu für den kafkaesken Effekt etwas überspitzt dargestellt wurden. Dennoch: Ein unglücklicher Zufall hier, eine kleine Fehlentscheidung, deren Folgen unmöglich abzusehen sind, da, und schon steht ein Leben am Rand des Abgrunds.

Was mich besonders an der Geschichte begeistert hat, waren die philosophischen Gespräche und Momente, und davon gibt es einige. Sei es Rado, der Koch, der gegen das Kapitalistische System wettert oder Nirwana, der betrunkene Möchtegernbuddhist, es fehlt nicht an Momenten, wo über die grossen und kleinen Fragen des Lebens sinniert wird. Dabei nimmt das Buch aber keine predigende Haltung ein und lässt den Leser zu eigenen Schlüssen kommen. Die Schulter des Riesen lässt sich durchaus als reiner Unterhaltungsroman lesen und wird auch da den Erwartungen gerecht, trotzdem empfehle ich das Buch hin und wieder aus der Hand zu legen und über das Geschriebene nachzudenken.

Die Sterne

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Auch wenn der grobe Handlungsverlauf vorweggenommen wird, bietet die Geschichte einige Überraschungen und Wendungen, strotzt vor Menschlichkeit und überzeugt mit Charakteren, die eine Echtheit und Lebendigkeit, eine Tiefe und Vielschichtigkeit aufweisen, die dafür sorgt, dass sie mich noch eine ganze Weile begleiten werden. 5 Sterne.

Vielen Dank an den Autor, der mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat, was meine Bewertung jedoch in keinster Weise beinflusst hat.

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Der gute Mensch von Assuan (Peter S. Kaspar)

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Berlin-Kreuzberg, Anfang 2015: Durch Zufall lernt der ägyptische Geschäftsmann und Milliardär Mansur Ghali den aus dem Senegal geflohenen Souliman Traoré kennen. Bald erfährt er, wie kurzsichtig man in Deutschland mit Flüchtlingen umgeht: Statt das Potential teilweise gut ausgebildeter Fachkräfte zu nutzen, werden die Neuankömmlinge mit einem Arbeitsverbot belegt und müssen in Flüchtlingsunterkünften ausharren.

Die Erwartungen

Nach dem Klappentext und den ersten Kapiteln habe ich mich auf ein Buch gefreut, die teils Schicksalsgeschichte, teils Gesellschaftskritik ist, und dabei auch gleich eine mögliche Lösung für die Flüchtlingsproblematik aufzeigen will. Die Anspielung auf «Der gute Mensch von Sezuan» von Berthold Brecht liess meine Erwartungen noch etwas weiter steigen. Ich habe ein Buch erwartet, das zwar meine Ansichten bei der Flüchtlingspolitik vertritt, aber mir auch einige Einblicke in die «andere Seite» gewähren würde. Hier habe ich mich geirrt.

Die Meinung

Auch wenn ich mit falschen Erwartungen an das Buch heran getreten bin und zwischenzeitlich nur mit viel Skepsis weiter gelesen habe, konnte mich das Buch mit den zwischen den Zeilen geschriebenen Geschichte überzeugen.

Das Buch beginnt mit der Schilderung der Flucht aus Afrika, die grausig und erschreckend realistisch klingt. Danach schwenkt die Kamera zu dem Schwerreichen Mansur in Deutschland, der versehentlich Souliman anfährt. Der Ägypter beschliesst kurzerhand Souliman – und vielen anderen Flüchtlingen – zu helfen. Er will ihnen eine Stadt bauen, denn mit Städte bauen kennt er sich aus. Hier lernen wir unter anderem auch Silke Sperling kennen und die Bürgermeisterin kann sich durchaus für das Projekt begeistern. Die Bühne steht und das Gezeigte macht neugierig.

Kurz darauf treffen wir auf ein paar Neonazis. Die Zwielichtige Kameradschaft wird als unsympathische, dumme Bande vorgestellt. Auch ein Holländer taucht auf, der als reicher Schweinefarm-Besitzer davon lebt, Scheisse zu Geld zu machen. Diesen Figuren der Gegenseite fehlte mir eine Menschlichkeit, wie sie zuvor so hervorragend mit Souliman gezeigt wurde. Je weiter ich las, desto mehr sank die Hoffnung auf einen ernst zunehmenden Charakter auf der anderen Seite. Mir fehlte ein Gegenpol, eine Person, die die Gegenseite vertreten konnte, ohne dabei wie ein Strohmann zu wirken. Diese Person kam nicht.

Erst als ich mich nicht mehr als stiller Beobachter in einer realistischen Welt, sondern als Zuschauer in einem Theater gesehen habe, konnte ich das Buch wirklich geniessen. Viele Szenen sind bewusst überspitzt dargestellt, reihen sich aber in eine durchaus echt wirkende Handlung ein. Einige der Charaktere stehen mehr für Ideologien als für echte Menschen, und das war für mich gewöhnungsbedürftig. So ernst man die Thematik des Werks auch nehmen sollte, muss man die Geschichte selbst, glaube ich, als ein Schauspiel betrachten, als lehrreiches Theater und nicht als Schilderung von fiktiv-realen Ereignissen – denn dann ist es ein lesenswertes Stück Gegenwartsliteratur.

Die Sterne

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Es hat bei mir etwas länger gedauert, bis ich das Buch so verstehen konnte, wie es verstanden werden wollte. Auch wenn ein starker Charakter mit konservativen Ansichten fehlt und damit Fronten wohl eher verhärtet als aufweicht, so zeigt es doch wie viel Potenzial wir doch durch unsere Engstirnigkeit vergeuden. Für die Stadt, die gebaut werden müsste gibt es aufgerundete 4 Sterne.

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Der Stier und das Mädchen (Stefán Máni)

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Zwei Frauen haben in den ländlichen Gebieten Islands eine Autopanne, kein Handynetz und nur die Hoffnung, bei einem nahegelegenen Bauernhof Hilfe zu finden. Sie machen sich auf den Weg, finden den Bauernhof aber verlassen vor. Bei einem Blick in Scheune und Haus zeigt sich Ihnen ein schreckliches Blutbad. Hier macht die Geschichte einen Sprung in die Vergangenheit und beginnt zu erzählen, wie es zu diesen Morden gekommen ist.

Die Erwartungen

Der offizielle Klappentext verschweigt zwar, dass sich die Geschichte nicht um die beiden Frauen mit der Autopanne dreht, aber genau dieser Aspekt war es, der meine Aufmerksamkeit erregte. Ich erwartete keinen klassischen Thriller, sondern mehr eine Mischung aus Thriller und Kriminalroman, wobei nur der Leser stiller Zeuge der ganzen Geschichte wird.

Die Meinung

Der Stier und das Mädchen ist brutal und unnachgiebig, eine harte Geschichte die gnadenlos auf den Magen des Lesers zielt und zuschlägt. Das gute Tempo und der spannende Plot der Geschichte werden durch schablonenhafte Charaktere abgeschwächt.

Nach dem ersten Zeitsprung – und vor vielen weiteren – finden wir uns bei Rikki und Hanna wieder. Sie sind die eigentlichen Protagonisten; Das drogensüchtige, geliebte Spielzeug eines Gangsterbosses und einer seiner Dealer. Hanna und Rikki wirkten auf mich nicht nur unsympathisch, sondern schlichtweg flach. Der Rest der Besetzung hat dieses Gefühl noch verschärft. Vergleicht man Mánis Welt mit einem kunstvoll gearbeiteten, mit Liebe erschaffenem Spielbrett, dann sehe ich seine Figuren als billiges Plastik direkt vom Laufband. Teilweise ist bestimmt die Kürze des Romans daran schuld, der mit den verschiedenen Perspektiven und den Zeitsprüngen nicht viel Platz für die Figurenentwicklung lässt. So spielt man halt gezwungenermassen mit Plastikfiguren.

Mánis Umgang mit Worten hingegen ist beneidenswert. Er zaubert imposante Bilder und erzählt eine wunderschön grausam-widerliche Geschichte. Plot und Tempo bekommen die Note «sehr gut» von mir, das ungewohnte isländische Setting war zudem auf seine ganz eigene Weise faszinierend.

Die Sterne

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Máni hat in diesem Buch sehr viele meiner Erwartungen erfüllt, teilweise auch übertroffen, aber die Charaktere konnten einfach nicht zu mir durchdringen. Dafür schrammt Der Stier und das Mädchen an einer Vier-Sterne-Wertung vorbei und landet im gemütlichen Mittelmass. Auch wenn es nur drei Sterne dafür gibt, werde ich den Autor Stefán Máni im Auge behalten.

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Die Therapie (Sebastian Fitzek)

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Viktor Larenz war mal ein berühmter Psychiater, diese Zeit scheint aber schon eine Ewigkeit zurück zu liegen. Seit dem Verschwinden seiner kleinen Tochter Josy hat Viktor das Praktizieren aufgegeben. Heute, vier Jahre später, trauert er noch immer stark um seine Tochter. Bei einem weiteren Versuch den Kopf frei zu bekommen beschliesst er sich für einige Zeit auf die kleine Insel Parkum zurück zu ziehen und sich mit einem Interview für eine Zeitschrift abzulenken. Hier trifft er auf Anna Spiegel, eine Frau die unter Wahnvorstellungen leidet und unbedingt von ihm behandelt werden will. Die neusten Wahnvorstellungen der Frau handeln von einem kleinen Mädchen, dass ihn so stark an Josy erinnert, dass er einwilligt sie zu therapieren.

Die Erwartungen

In die Thriller-Ecke verirre ich mich bisher zwar eher selten, aber Fitzeks Bücher liefen mir in letzter Zeit so häufig über den Weg und wurden mir von so vielen Seiten empfohlen, dass es wohl nur eine Frage der Zeit war, bis ich mich ganz heimlich, von hinten, und mit einem langen Fleischermesser an eines seiner Bücher heranschleichen musste. Trotzdem waren meine Erwartungen wohl eher verhalten. Ich erwartete vor allem die üblichen Klischees: Einen Protagonisten in einem einsamen Wald ohne Verbindung zur Aussenwelt und irgendeinen Mörder, der dem Protagonisten ganz viel Angst macht und dann doch irgendwie getötet wird. Die Thriller sind doch alle gleich. Trotzdem, auch mit meinen Vorurteilen und der möglichen Vorhersehbarkeit erwartete ich eine kurzweilige Geschichte, die bestimmt auch ganz spannend sein konnte.

Die Meinung

Die Therapie ist ein wahrer Page-Turner. Auch wenn es mich nicht gleich vom Stuhl gehauen hat, so sass ich doch fast die ganze Zeit ganz vorne auf der Kante meines Lesesessels und fieberte den Antworten zu den vielen Fragen entgegen, die die Geschichte aufwirft.

Viktor als Hauptfigur fand ich wahnsinnig spannend; Der Psychiater der schon in einer der ersten Szenen in einer Anstalt ans Bett gefesselt ist, um einem anderen Psychiater seine Geschichte zu erzählen, verfehlte die Wirkung bei mir nicht. So pendelt die Geschichte zwischen der Gegenwart in der Anstalt und seiner Geschichte, die auf der kleinen Insel Parkum spielt fröhlich hin und her und wirft dem Leser fleissig Fragen vor die Füsse.

Zeit um über diese Fragen nachzudenken und Antworten zu suchen findet man aber kaum, zumindest wenn man wie ich Mühe damit hat, dass Buch aus der Hand zu legen. Das Erzähltempo ist auf den 336 Seiten durchgehend hoch und jedes Kapitel kann man ganz angespannt (tut mir leid, entspannen gibt’s hier nicht) in zehn Minuten oder weniger durchlesen. Da liest man doch gerne noch ein Kapitel mehr, bevor man das Buch wieder weglegt. Und noch eins. Und noch eins.

Der Plot ist ganz gut gelungen, offensichtliche Löcher sind mir keine aufgefallen, trotzdem hätten ein paar bestimmte Szenen, durchaus noch etwas mehr Potenzial gehabt. Über das Ende des Buches lässt sich bestimmt streiten. Mir persönlich hat das Ende des Plots ganz gut gefallen, trotzdem wäre hier ein besserer Abschluss durchaus möglich gewesen – wer mit zu hohen Erwartungen den letzten Seiten entgegen fiebert könnte durchaus enttäuscht werden. Alles in allem hat das Buch aber erreicht, was ich von einem Thriller erwartet habe: Kurzweilige Unterhaltung, fröhliches Raten und die Erfüllung einiger Klischees. Die Geschichte hielt aber auch ein paar nette Überraschungen bereit und bietet durchaus etwas mehr als «nur» Hochspannung und Klischees.

Die Sterne

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Die Therapie war durchaus überzeugend, ich fühle mich zumindest ein Stück weit von meiner Voreingenommenheit geheilt, aber wurde dabei möglicherweise mit dem Thrillervirus angesteckt. mit vier Sternen empfehle ich den Doktor Viktor Larenz gerne weiter.

 

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Das Lied der Krähen (Leigh Bardugo)

Cover Lied der Krähen

Titel:            Das Lied der Krähen

Autor:         Leigh Bardugo

Verlag:        Knaur

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Das Elementare

Kaz Brekker ist ein berüchtigter Dieb und Falschspieler, der dem Anführer einer aufsteigenden Bande als rechte Hand zur Verfügung steht. Als ihm ein unmöglicher, aber auch unmöglich gut bezahlter Auftrag angeboten wird, kann er nicht ablehnen. Mit fünf Gefährten will er den vielleicht gefährlichsten Mann der Welt aus dem sichersten Gefängnis der Welt holen.

So schwierig kann das ja nicht sein.

Die Erwartungen

Ich erwartete ein Buch, das dem wunderschönen Cover gerecht wird. Eine Mischung aus hervorragender Fantasy und einer grossen Diebesgeschichte. Ein bisschen wie Oceans Eleven – da, jetzt habe ich Oceans Eleven erwähnt. Wollte ich doch gar nicht. Naja, bei der nächsten Unmöglicher-Coup-Geschichte schreib ich dann einfach «wie bei das Lied der Krähen».

Ich bin ziemlich Blind in das Buch gegangen, habe aber immer wieder peripher lobende Worte und hohe Bewertungen wahrgenommen, was meine Erwartungen durchaus noch etwas erhöht hat.

Die Meinung

Das Lied der Krähen hat mich trotz einigen Zweifel auf den ersten Seiten ganz in seine Welt gesogen. Es wird dem Cover definitiv gerecht und beeindruckt auf ganzer Linie.

Das Buch lässt einen schon früh spüren, dass dies nicht nur Kaz’ Geschichte ist, sondern die seiner Mannschaft. Bardugo spart nicht mit Perspektivenwechseln, was mich zuerst erschrak, mich dann zweifeln liess, aber schon bald begeisterte. Es ist sehr einfach diese Sache falsch anzugehen und den Leser in den Perspektiven ertrinken zu lassen. Bardugo macht es richtig und lässt einen fröhlich dahinsegeln. Nicht nur sind die Charaktere sehr unterschiedlich, sie sind auch ziemlich Klischeefrei, haben ihre eigenen Stimmen, Träume und ihre eigene Geschichte. Obwohl Bardugo eigentlich beide Hände voll zu tun haben müsste uns die Charaktere näher zu bringen, hält die Geschichte durchgehend ein gutes Tempo. Das ist schon beinahe Magie. Nur schon dafür ziehe ich meinen Hut mit grösstem Respekt.

Nicht nur die Charaktere, auch die Welt um Ketterdam hat mich sehr beeindruckt. Ich habe vielleicht ein paar Mittelalter-Fantasy Romane zu viel gelesen, aber Bardugos Welt, die Ritter und Könige hinter sich lässt und stattdessen Börsen und Revolver regieren lässt, war bei mir herzlichst Willkommen.

Was den Plot betrifft, so ist Lied der Krähen keine Neuerfindung des Rades, aber es ist trotzdem ein sehr solides und gut gebautes Rad. Bardugo sorgt dafür, dass die Geschichte nicht zu durchschaubar und zu vorhersehbar wird und erzählt einfach eine verdammt gute Geschichte von ein paar Dieben und Verbrechern, die das grosse Geld machen wollen. Kein Geniestreich, aber gute Handwerkskunst.

Die Sterne

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Tolle Charaktere, eine faszinierende Welt und ein Solider Plot verhelfen dem Buch zu vier von fünf Sternen, den letzten gibt’s aus purer Begeisterung für die Perspektivenvielfalt. Volle Punktzahl.

 

Qualityland (Marc-Uwe Kling)

Titel:               Qualityland

Autor:            Marc-Uwe Kling

Verlag:           Ullstein

Mark-Uwe’s kleiner Shop

 

 

Prämisse

Qualityland ist eine lustige Dystopie aus der Feder von Marc-Uwe Kling, dem Mann hinter der berühmten Känguru-Trilogie. Er erzählt uns die Geschichte von Peter Arbeitsloser, einem Maschinenverschrotter in einer Zeit, in der das reparieren verboten ist, QualityPartner durch einen Logarithmus den perfekten Lebensgefährten aussucht und TheShop dir alles liefert, dass du dir wünschst, ohne dass du es bestellen musst. Dabei steht ihm «Niemand» zur Seite, sein digitaler Assistent, der immer für ihn da ist.

Meinung

Qualityland ist bissige Gesellschaftskritik auf höchstem Niveau. Es zeigt auf herrlich verspielte Art wie unsere Zukunft aussehen könnte, wenn wir die schon eingeschlagenen Wege unbeirrt weitergehen.

Die ersten Seiten darf man sich in Qualityland einfach zurücklehnen, über Peter Arbeitslosers Schulter gucken und diese wunderbar schreckliche Zukunft bestaunen, die Kling hier geschaffen hat. Alles scheint so viel leichter in dieser Zukunft. Um das Einkaufen braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen, Amazons 1-click-buy wurde von TheShop um einen ganzen Klick verbessert. QualityPartner macht den sonst so anstrengenden Dating-Prozess zu einer Formalität. Und wenn man mal wieder nicht sicher ist, wen man zum Präsidenten wählen sollte, übernimmt der digitale Assistent gerne die Meinungsbildung. Praktisch.

Der Plot der Geschichte ist zwar beinahe Nebensache während man sich in dem zauberhaften Setting verliert, trotzdem ist er amüsant, stimmig und treibt die Geschichte in angenehmen Tempo voran. Die Charaktere sind sehr gelungen und fügen sich fabelhaft in die Welt und die Geschichte ein. Das Buch ist wie schon beim Känguru aus Marc-Uwes…. Erm, ich meine aus Peters Sicht im Präsens geschrieben und hat den selben unverwechselbaren Stil.

Qualityland beschränkt sich aber nicht nur auf die Auswirkungen des technischen Fortschritts sondern zeigt auch wohin uns unsere gesellschaftliche und kulturelle Struktur führen könnte. Marc-Uwe Klings Überzeugungen und Ideale werden hierbei durchaus deutlich, deshalb möchte ich vorsichtshalber politisch eher empfindliche Leser zumindest vorwarnen. Alle anderen dürfen sich blind nach meinem Urteil richten – lasst mich heute euer digitaler Assistent sein.

Bewertung

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Ich vergebe die vollen zehn Sterne an dieses kleine Meisterwerk, auch wenn hier nur fünf stehen. Zur Feier des Tages zählen die heute doppelt. Da Amazon leider noch nicht ganz das TheShop-Niveau erreicht hat, wird euch das Buch aber leider nicht ohne eigene Bestellung zugestellt – ansonsten hättet ihr bestimmt schon alle euer Exemplar bekommen.

 

Was Zu Erwarten Ist…

Hallo Erstmal. Ich weiss ja nicht ob sie’s schon wussten, aber Blogs schreiben ist ja inzwischen sowas von out. Ich mein‘, wir haben doch 2017. Da schreibt man doch keine Blogs mehr, da posted man höchstens mal ’nen Zweizeiler auf Twitter oder kotzt ein „recht hatta“ unter einen Beitrag aus der wohl-gepflegten Gesinnungsblase auf Facebook.

Und dann auch noch einen Blog über Bücher, naja, ich weiss ja nicht. Sowas zieht doch heute nicht mehr, und Rezenten gibt’s auch so schon genug. Als würde man einen Fisch in einen ausgetrockneten Tümpel werfen. Das wird doch hier so ’ne 0-Click-Nummer.

Aber keine Sorge, mein Naturell wird mich vermutlich – trotz bester Vorsätze – davon abhalten hier tatsächlich regelmässig meinen Senf zu den frisch gelesenen Büchern abzugeben. Ich fange wahnsinnig gerne neue Dinge an, dafür muss ich dann natürlich sowohl aus Zeitgründen wie auch aus plötzlichem Desinteresse mit älteren Dingen aufhören.

Also erwartet nicht zu viel.

Es ist schliesslich 2017.

Da kann man nicht mehr viel erwarten.